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Expertenworkshop

"Das ATKIS Basis DLM - Grundlage flächenstatistischer Berichtssysteme?"

Resümee

Am 11. Juli 2011 fand im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung ein Expertenworkshop statt, welcher sich mit Fragen beschäftigte, wie Flächennutzung und Flächennutzungsänderungen erfasst werden können. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die derzeitige amtliche Flächenerhebung weder genügend genau noch ausreichend detailliert die Flächennutzungsstruktur und ihre Entwicklung, insbesondere die Flächeninanspruchnahme für Siedlung und Verkehr, widerspiegelt. Die im Liegenschaftsbuch geführte Größe und dominante Nutzung von (Teil-) Flurstücken waren nie als Grundlage einer Flächenstatistik konzipiert und geben heute die aktuelle tatsächliche Flächennutzung häufig auch nicht wieder. So kommen beispielsweise neue Straßen und renaturierte Tagebauflächen oft erst mit jahrelanger Verzögerung in das Kataster. Zusätzlich wird die Messung der Flächeninanspruchnahme durch die laufende Umstellung der Datengrundlagen auf das neue System ALKIS erschwert. Da politisch eine Reduzierung der Flächeninanspruchnahme durch Siedlung und Verkehr angestrebt wird, braucht man für die Einschätzung des Standes und die Bewertung von Maßnahmen dringend verlässliche Zahlen. Das wurde von den Vertretern aus den sächsischen Ministerien für Umwelt und Landwirtschaft sowie Inneres wiederholt betont.

Vor diesem Hintergrund wurde auf dem Workshop gefragt, ob andere Datengrundlagen besser geeignet sind und wie auf dieser Basis die Flächennutzung quantitativ bestimmt werden kann. Hier bietet sich die Arbeit mit topographischen Daten und speziell dem ATKIS Basis-DLM an. Diese Geodaten beschreiben die Erdoberfläche nicht wie das Kataster hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse, sondern entsprechend ihrer physischen Ausprägung. Inzwischen werden aus diesen Daten bereits amtliche topographische Kartenwerke abgeleitet. Dazu wird eine regelmäßige Aktualisierung sowie Prüfung hinsichtlich Veränderungen der tatsächlichen Flächennutzung realisiert. Neu Straßen werden dabei besonders schnell, d. h. spätestens nach drei Monaten in den Datenbestand eingearbeitet.

Der Nachweis für die prinzipiell bessere Eignung dieser topographischen Daten für Flächenberechnungen wurde inzwischen erbracht. Die ersten Ergebnisse sind im Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung (IÖR-Monitor) bereits sichtbar. Dieser Monitor hat das Ziel, raumbezogene Informationen zur Bewertung der Nachhaltigkeit der Flächenentwicklung in Deutschland mit Hilfe eines breit angelegten Indikatorensystems bereitzustellen. Dabei wird auf die tatsächliche Flächenbedeckung vor allem im Freiraumbereich noch stärker als auf die Flächennutzung fokussiert. Eine derartige Sicht wiederspiegelt den Zustand der Erdoberfläche, (z. B. das Ausmaß der Versiegelung durch Überbauung oder Straßenbau in einem Gebiet) besser als eine reine Betrachtung der Flächennutzung.

Natürlich gibt es auch bei der Arbeit mit dem ATKIS Basis-DLM Probleme. So wird das derzeitige Berechnungsmodell hinsichtlich der Zuordnung topographischer Objekte in eine Flächennomenklatur, die Definition der Klassen sowie die Modellierung von Verkehrstrassen im Ergebnis der Diskussionen überarbeitet. Auch das ATKIS Basis-DLM unterliegt derzeit im Zuge des AAA-Projekts einem Modellwandel, was den Vergleich der Daten im Zeitverlauf erschwert. Bis 2013 soll der Modellwechsel für alle 16 Bundesländer vollzogen sein, der auch eine systematische Fehlerberichtigung durch die Vor- und Nachmigration der Modelle beinhaltet. Spätestens dann sind auf dieser Datengrundlage verlässliche Flächenberechnungen möglich erwarten.

 

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