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Indikatoren

Als Indikator (Anzeiger) gilt ein sichtbares oder empirisch fassbares quantitatives Merkmal (Kennzahl), das in Geographie, Raumordnung und Umweltforschung auf nicht unmittelbar zugängliche Raumaspekte, Begriffe oder Prozesse hinweist. Zur Operationalisierung und kartographischen Darstellung sind Indikatoren zu formalisieren und auf konkrete räumliche Bezugseinheiten auszurichten. Bei der georäumlichen Interpretation von Indikatoren werden gleichzeitig abhängige Aspekte der Raumstruktur oder raumwirksamer Prozesse gedanklich vermittelt. 

In der Raum- und Stadtentwicklungspolitik haben Indikatoren die Funktion, Zielerrreichungsgrade zu messen und die Messergebnisse zu kommunizieren. Dabei spielen folgende Anforderungen eine wichtige Rolle: Zielkonformität, Aussagekraft, Verständlichkeit, räumliche Vergleichbarkeit und Praktikabilität.

Kategorien

Siedlung

Indikatoren dieser Kategorie setzen Siedlungsflächen in Bezug zur Gebietsfäche oder Teilen davon (z. B. Industrie- und Gewerbefläche an Siedlungsfläche). Die Siedlungsfläche ist Teil der Gebietsfläche, die sich vollständig und überlagerungsfrei aus Siedlungs-, Freiraum- und Verkehrsfläche zusammensetzt. Zur Siedlungsfläche zählen die baulich geprägten Flächen sowie Siedlungsfreiflächen (Sport-, Freizeit- und Erholungsflächen). Abbau- und Haldenflächen werden - anders als in der amtlichen Flächenerhebung - nicht der Siedlungsfläche, sondern der Freiraumfläche zugeordnet, da diese meist unversiegelt sind, die Vegetation sich auf Halden ohne Beeinflussung durch den Menschen entwickelt und typische Siedlungsfunktionen wie Wohnen, Arbeiten bzw. Erholen nicht anzutreffen sind.

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Gebäude

Diese Kategorie umfasst Kennzahlen zur Beschreibung des Gebäudebestandes. Dieser wird hinsichtlich seiner Nutzung (z. B. Wohngebäude) und seiner Gebäudetypik (z. B. Einzel-, Doppel-, Reihenhaus) differenziert dargestellt. Durch den Bezug der Gebäudegrundflächen auf die Gebiets- oder Siedlungsfläche bzw. auf die baulich geprägte Fläche sind Dichtebewertungen und durch Kombination mit der Bevälkerungsverteilung auch Effizienzeinschätzungen möglich. Als Gebäude wird jedes Haus gezählt, dessen Grundfläche gröser als 10 m² ist und welches keine Baulichkeit im Gartenland darstellt (auserhalb von Gartenland bzw. Kleingarten). Bei Gebäudereihung (z. B. Gebäudeverbände wie Reihenhäuser, Zeilenbebauung) wird jeder Eingang mit eigener Adresse (Hauskoordinate) wie bei der Statistik als einzelnes Gebäude gezählt.

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Freiraum

Indikatoren dieser Kategorie setzen Freiraumflächen in Bezug zur Gebietsfläche und ermöglichen damit eine Einschätzung der Gebietsausstattung mit verschiedenen Nutzungsklassen des Freiraums. Die Freiraumfläche ist Teil der Gebietsfläche, die sich vollständig und überlagerungsfrei aus Siedlungs-, Freiraum- und Verkehrsfläche zusammensetzt. Zum Freiraum gehören Landwirtschaftsflächen, Wald- und Gehölzflächen, unkultivierte, meist naturnahe Flächen sowie Wasserflächen. Außerdem zählen auch Abbau- und Haldenflächen zum Freiraum, die - anders als in der amtlichen Flächenerhebung - nicht der Siedlung zugeordnet werden, da diese Flächen meist unversiegelt sind, die Vegetation sich auf Halden ohne Beeinflussung durch den Menschen entwickelt und typische Siedlungsfunktionen wie Wohnen, Arbeiten bzw. Erholen nicht anzutreffen sind.

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Bevölkerungsbezug

Indikatoren dieser Kategorie beziehen amtliche Einwohnerzahlen auf Gemeindebasis auf ausgewählte Flächennutzungen und ermöglichen damit Ausstattungs- (z. B. mit Siedlungsfreifläche) und Effizienzbewertungen (z. B. Siedlungsdichte).

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Verkehr

Indikatoren dieser Kategorie setzen Verkehrsflächen oder -trassenlängen in Bezug zur Gebietsfläche oder Teilen davon (z. B. Anteil Verkehrsfläche an Siedlungs- und Verkehrsfläche) und ermöglichen damit eine Einschätzung der Verkehrsinfrastruktur (u. a. Erschließung). Die Verkehrsfläche ist Teil der Gebietsfläche, die sich vollständig und überlagerungsfrei aus Siedlungs-, Freiraum- und Verkehrsfläche zusammensetzt. Berücksichtigt werden insbesondere versiegelte Verkehrsflächen und unmittelbar in Nachbarschaft stehendes Verkehrsbegleitgrün. Hauptwirtschaftswege (Fahrwege) werden einbezogen, weil sie oft versiegelt bzw. zumindest befestigt sind. Wirtschaftswege (meist unversiegelte Nebenwege in Wald und Flur; im Liegenschaftskataster bzw. ALKIS meist nicht enthalten) werden nicht einbezogen. Im Unterschied zum ATKIS Basis-DLM werden Hafenbecken, schiffbare Wasserstraßen, Binnenseen und Meere nicht dem Verkehr, sondern der Freiraumklasse Wasserfläche zugeordnet. In die Flugverkehrsflächen werden nur Rollbahnen einbezogen.

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Landschafts- und Naturschutz

Indikatoren dieser Kategorie weisen den überlagerungsfreien Anteil von Schutzgebieten an der Gebietsfläche aus. Erstmals wird dabei der Landschaftsschutz explizit einbezogen. Im strengeren "Natur- und Artenschutz" werden im Unterschied zu anderen Systemen (z. B. Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS)) auch die europäischen Schutzgebiete (Natura2000-Gebiete) einbezogen.

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Landschaftsqualität

Diese Kategorie umfasst im ersten Teil Kennzahlen zur Zerschneidung zusammenhängender Freiräume insgesamt bzw. einzelner Lebensräume (Wald) durch linienhafte Infrastruktur (v.a. Straßen und Bahnstrecken) und geschlossene Siedlungskörper (Ortslagen ab 5 ha). Als zerschneidende Elemente werden überörtliche Straßen (ab Kreisstraße) und alle mehrgleisigen sowie eingleisig elektrifizierte Bahnstrecken berücksichtigt. Verkehrsstärken werden nicht einbezogen (im Unterschied zu anderen Systemen), da diese nicht flächendeckend und zeitschnittgerecht verfügbar sind. Die bei der Landschaftszerschneidung angewandte Methodik im IÖR-Monitors unterscheidet sich von anderen Indikatorsystemen (z.B. Länderinitiative Kernindikatoren (LIKI) oder Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS)) bezüglich der Genauigkeit der Datengrundlage (ATKIS Basis-DLM im Maßstab 1:25.000 anstelle 1:250.000), der Straßenklassifizierung und der Einbeziehung von Siedlungen. In Ergänzung zu bestehenden Indikatorsystemen (wie NBS) werden weiterführende Kennzahlen berechnet.

Im zweiten Teil enthält diese Kategorie Indikatoren zur Hemerobie als inverses Maß der Naturnähe (auf Grundlage einer 7-stufigen Klassifikation).

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Risiko

Relief

Ökosystemleistungen

Zur Kategorie Ökosystemleistungen (ÖSL) gehören Indikatoren, die den Beitrag (Leistungen) von Ökosystemen für die Wohlfahrt der Gesellschaft zum Inhalt haben. Es wird dabei in regulative, versorgende und kulturelle Leistungen unterschieden.

Die Indikatoren können unterschiedliche Größen beschreiben, wie z.B. das Potenzial der Natur zur Erbringung von ÖSL oder die Nachfrage bzw. den Bedarf an ÖSL.

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Themenfelder

Der IÖR-Monitor fokussiert mit seinem Indikatorensystem auf flächenbezogene Informationen, die den Zustand (einschließlich der Qualitäten), die Potenziale, die Umweltrisiken und die Entwicklung von Siedlung einschließlich des Gebäudebestands, Freiraum, Verkehrsnetz sowie die Landschaftsqualität beschreiben.

Dabei wird insbesondere der Zustand (State wie Flächennutzungsanteile, Verkehrsnetzdichten, Flächenproduktivität), aber auch Belastungen (Pressure wie Zerschneidung, Zersiedlung und Flächeninanspruchnahmen) sowie Maßnahmen (Response insbesondere Schutzgebietsanteile) in den Blick genommen.

Die Indikatorenberechnung erfolgt durch die Auswertung von Flächennutzungsdaten (Flächenanteile), deren Bezug auf sozio-ökonomische Daten (Einwohner, Arbeitsplätze, BIP) sowie Umweltdaten (Böden, Schutzgebiete usw.). Kriterien für die Indikatorauswahl sind die thematische und flächendeckende Berechenbarkeit (Verfügbarkeit von Datengrundlagen), die räumliche Vergleichbarkeit (weitestgehend homogenisierte Datengrundlagen), die zeitliche Vergleichbarkeit (dauerhafte Verfügbarkeit der Grundlagendaten).

Der IÖR-Monitor liefert damit auch aggregierte Informationen zu den INSPIRE-Themen Verkehrsnetze, Gewässernetze, Schutzgebiete (Annex 1), Bodenbedeckung (Annex 2) sowie Gebäude, Bodennutzung, Bevölkerungsverteilung, Schutzgebiete, Gebiete mit Naturrisiken (Annex 3).

 

Grafik mit Übersicht der Themenfelder